Das beste Fischbrötchen auf Amrum

Der echte Norddeutsche genießt Fisch in all seinen kulinarischen Variationen – und der echte Süddeutsche spricht von seinen nördlichen Landsleuten als Fischköppe. Und wenn mal nicht genug Zeit für ein paar Heringe oder Kabeljau ist, so muss ein Fischbrötchen her.
Wir haben uns auf Amrum umgesehen und den großen Test gemacht: Wo gibt es auf Amrum das beste Fischbrötchen?

Was zeichnet ein gutes Fischbrötchen aus?

Verschiedene Kriterien unterscheiden ein gutes Fischbrötchen von einem schlechten Fischbrötchen, in den Testurteilen werden Sie daher immer wieder folgende Komponenten erwähnt finden:

  1. Das Brötchen: Die perfekte Textur des Brötchens muss es sein. Weder zu hart und trocken, noch zu weich und fluffig darf es sein. Das Brötchen muss knusprig und frisch gebacken sein um kontrastreich zum eher weichen Fisch zu texturieren.
  2. Der Fisch: Natürlich kommt es auch auf den Fisch an. Er muss frisch und handwerklich gut geräuchert bzw. verarbeitet sein. In unserem Fall testen wir jeweils Fischbrötchen mit Fischfrikadelle.
  3. Die Remoulade: Häufig unterschätzt ist die Remoulade – sie trägt einen Löwenanteil zum geschmacklichen Erlebnis des Fischbrötchens bei. Die beste Remoulade ist hausgemacht und hat die perfekte Viskosität – läuft also dem geneigten Conaisseur beim Abbeißen nicht über die Hand.
  4. Das Topping: Was sich außer dem Fisch und der Remoulade noch auf dem Brötchen befindet, bezeichnen wir neudeutsch als “Topping”. Über das Topping entscheidet sich, wie das Brötchen parfümiert ist, welche Geschmacksnuancen der jeweilige Koch betonen möchte. Als Topping kommen Salat, Tomaten, Saure Gurken, Zwiebeln in Frage.

Das beste Fischbrötchen auf Amrum

Kommen wir nun zum Vergleich, für den ich Fischlokale in Wittdün, Nebel und Norddorf besucht habe.

Platz 6: Das Fischbrötchen von Fisch & Meer in Nebel auf Amrum

Das Ladengeschäft von Fisch & Meer ist ein spezialisiertes Fischgeschäft mit großer Auslage inmitten des Ortes Nebel. Der Verkaufsraum wirkt sauber und einladend.
Die Verköstigung hungriger Besucher scheint eher ein Nebengeschäft zu sein, die Örtlichkeit möchte ihren Anspruch als Fischgeschäft waren. Von den 3 Personen hinter dem Tresen ist nur eine mit der Aufnahme der Bestellung, der Zubereitung der Fischbrötchen und dem Kassieren beschäftigt. Die Aufgabe der Anderen bleibt unklar. Entsprechend langsam rücke ich in der Schlange nach vorne.
Endlich bin ich an der Reihe. Fast schon außerhalb der nach unten offenen Bewertungsskala begibt sich “Fisch & Meer” jedoch mit der Nachfrage, ob ich “auch Butter auf mein Fischbrötchen wolle”. Butter? Nein, natürlich möchte ich keine Butter auf mein Fischbrötchen. Wie serviert Ihr das Bier? Mit Sahnehaube? Also Bitte. Bei aller öömranger Freiheit, aber Butter hat doch auf einem Fischbrötchen nun mal gar nichts verloren.
Ich lasse ihn das Fischbrötchen so zubereiten, “wie es am besten schmeckt”, um den Test nicht zu verfälschen und er appliziert ein nicht unwesentliches Quantum streichfähiger Butter auf das Brötchen. Dazu holt er Industrie-Fischfrikadellen aus dem Froster, der sich offenbar direkt unterhalb des Tresens befindet, und lässt sie in die Friteuse gleiten. Sicherlich praktisch, aber von abschreckender Wirkung auf mich. Diese Fischfrikadellen sind mit Sicherheit weder frisch noch hausgemacht.
Ich kann zwischen verschiedenen Soßen wählen und entscheide mich für Remoulade. Ein einzelner Klecks derselben wird auf die Fischfrikadellen gegeben, bevor das buttrige Brötchen sich um sie schließt.
Bemerkenswert: Das Fischbrötchen besteht hier aus einem langen Baguette-Brötchen und wird mit gleich 2 Fischfrikadellen belegt, was dann auch mit 4,80 € berechnet wird – durchaus angemessen.
Geschmacklich ist das Fischbrötchen akzeptabel, aber die Butter wirkt sich wie erwartet massiv störend aus. Das Brötchen ist frisch und cross, der Salat knackig.
Schade, dass “Fisch & Meer” in Nebel sich hier nicht “Meer” zutraut, denn Lage und Ausrichtung des Ladengeschäfts an zentraler Position inmitten der malerischen Ortschaft haben anderes versprochen als ein Fischbrötchen mit viel Butter und Fischfrikadellen aus dem Froster.

Platz 5: Das Fischbrötchen von “Der Klabautermann” auf Hallig Hooge

Der Klabautermann auf der Hallig Hooge genießt geradezu Kultstatus – sowohl unter den Besuchern als auch unter den Hallig-Bewohnern. Daher nimmt er hier quasi außer Konkurrenz teil. Die forsche Tresenkraft teilt uns gleichsam mit, dass alle Gerichte außer Fischbrötchen etwa 45 Minuten Zubereitungszeit benötigen, da alles “frisch zubereitet wird”. Das klingt erstmal abenteuerlich. Zum Glück wollten wir sowieso das Fischbrötchen testen.
Der Klabautermann serviert ein ehrliches Fischbrötchen ohne viel Zubehör. Zum Glück kommt hier keine Butter zum Einsatz. Die Fischfrikadelle – ebenfalls die offenbar frittierte Industrie-Variante – kommt hier nahezu pur auf das Brötchen und wird nur durch etwas Remoulade und den Hauch eines Salatblattes angereichert.
Das wäre völlig in Ordnung, wenn die Fischfrikadelle von etwas besserer Qualität wäre.

Das Fischbrötchen vom Klabautermann auf Hallig Hooge.
Das Fischbrötchen vom Klabautermann auf Hallig Hooge.

Platz 4: Das Fischbrötchen von “Der Fischbäcker” in Norddorf auf Amrum

Der Fischbäcker in Norddorf hat Tradition, das Lokal ist seit Jahrzehnten fest etabliert und zieht ein regelmäßiges Stammpublikum an. Das liegt vor allem an den Fischgerichten, die mit hervorragendem Preis-Leistungsverhältnis punkten. Wird dem Fischbäcker dies auch mit seinem Fischbrötchen gelingen?
Das Fischbrötchen selbst kommt appetitlich daher – ein goldbraun gebackenes Aufbackbrötchen wird mit einer halbierten Fischfrikadelle längsseitig belegt. Neben grünem Salat kommen bei der Salatbeilage lediglich Zwiebeln zum Einsatz. Der Remoulade muss hier ein besonderes Augenmerk gelten. Sie ist offenbar hausgemacht und mit viel Petersilie und etwas Dill abgeschmeckt. Das ist löblich, allerdings ist die Konsistenz derselben nicht ganz gelungen. Schon vor dem Anbeißen läuft die Remoulade seitlich aus dem Brötchen und zeigt: Sie ist zu flüssig. Dieser Eindruck verfestigt sich beim Abbeißen – dies ist kaum möglich, ohne die Remoulade großzügig in der näheren Umgebung des Genießenden zu verteilen. Hier muss an der Viskosität des Dressings gearbeitet werden.
Trotz des guten Ansatzes muss es daher Punktabzug geben – der Fischbäcker verspielt somit seinen Platz auf den vorderen Rängen innerhalb dieses inselweiten Vergleichs.

Das Fischbrötchen vom Fischbäcker in Norddorf.
Das Fischbrötchen vom Fischbäcker in Norddorf.

Platz 3: Das Fischbrötchen von Hafen 31 in Wittdün

Mit dem Hafen 31 ist ein neuer Player im Fischbrötchen-Business aktiv. Das traditionsreiche Restaurant hat einen Teil seiner Geschäftsfläche als Imbiss umgewidmet und bietet hier die schnelle Küche für hungrige Insulaner an. Ob uns das Fischbrötchen überzeugen kann?

Ich besuche den Hafen 31 am Tag meiner Abreise von der Insel. Der Hafen 31 ist fußläufig vom Fähranleger aus zu erreichen – das ist schonmal ein Pluspunkt. Der Imbiss selbst macht einen hervorragenden Eindruck. Alles ist blitzsauber und aufgeräumt, wirkt gut in Schuss. Der Herr hinter dem Tresen ist zu einem Plausch aufgelegt und hat offenbar einen gesunden Humor – sehr sympathisch. Meine Bestellung wird zügig bearbeitet. Auch hier kommen tiefgekühlte Fischfrikadellen zum Einsatz, die nicht hausgemacht sind. Anders sieht es beim Backfisch aus, der hier Knusperfisch heißt und eine besondere Spezialität ist. Er ist tatsächlich besonders knusprig und hat ein formidables Verhältnis zwischen Panade und Fisch. Neben den “gewöhnlichen” Fischbrötchen bietet der Hafen 31 auch besondere Kreationen – zum Beispiel ein Fischbrötchen mit kaltgeräuchertem Lachs, das ganz hervorragend aussieht.

Das Fischbrötchen kommt puristisch daher – mit einem Hauch von Topping auf den zwei Fischfrikadellen, das hauptsächlich aus rohen Zwiebeln besteht und sicherlich Geschmackssache ist. Besonders hervorzuheben ist die hausgemachte Remoulade, die mit Abstand die Beste im inselweiten Vergleich ist. Das Brötchen ist kross und hat eine angenehme Textur – mithin ist es ein ganz “normales” Aufbackbrötchen aus dem Großhandel. Insgesamt präsentiert der Hafen 31 ein solides Fischbrötchen, das auf den vorderen Rängen mitspielt. Für die ersten Plätze reicht es aber leider nicht – dafür sind die Zutaten zu herkömmlich und die Komposition insgesamt zu puristisch.

Fischbrötchen Hafen 31 Wittdün
Das Fischbrötchen aus dem Hafen 31 in Wittdün

Platz 2: Das Fischbrötchen von “Der Muschelsucher” in Norddorf auf Amrum

Fischbrötchen beim Muschelsucher in Norddorf
Fischbrötchen beim Muschelsucher in Norddorf

Das Fischbrötchen vom Muschelsucher kommt originell daher – das Brötchen ist in Form einer großen Jakobsmuschel gehalten. Das Brötchen wurde offenbar fachmännisch aufgecrosst – die Hülle hat eine enorm knusprige Textur, ohne hart zu wirken. Das Innere des Brötchens hingegen ist himmlisch weich. Aus diesem Grund bildet es eine unzertrennliche Einheit mit der innenliegenden Fischfrikadelle, beide Bestandteile sind im Mund kaum auseinanderzuhalten.
Das ist sicherlich Geschmackssache, wirkt aber als besonderes Geschmackserlebnis auf mich. Wenn es das Ziel des Muschelsuchers war, in Textur und Mundgefühl eine Muschel samt dessen Inneren zu imitieren, so ist das vollauf gelungen und hat fast Sterne-Niveau. Remoulade und sparsames Salat-Topping werden dabei zur Nebensache.

Platz 1: Das Fischbrötchen von “Die Fischbuttze” in Wittdün auf Amrum

In der Fischbuttze finden wir es – das beste Fischbrötchen der Insel Amrum. Die Kombination aus knackigem Brötchen, das direkt vor dem Belegen frisch aufgekrosst wird, mit knackigem Salat und saurer Gurke sowie Zwiebeln wirkt üppig und appetitlich. Die hausgemachte Remoulade hat die perfekte Konsistenz und haftet an Brötchen und Inhalt. Dieses Fischbrötchen möchte seinem Betrachter zurufen “Halt mich fest und iss mich” – und dieser Eindruck bleibt auch beim Verzehr stets erhalten.
Herzlichen Glückwunsch an die Fischbuttze nach Wittdün für diese gelungene Kreation.

So sehen Sieger aus - das Fischbrötchen aus der Fischbuzze in Wittdün.
So sehen Sieger aus – das Fischbrötchen aus der Fischbuzze in Wittdün.

Die Fischerei in der Nordsee

Der deutsche Norden ist untrennbar mit seiner langen Fischerei-Tradition verbunden. Dabei ist die Nordsee als Schelf-Meer vergleichsweise flach, so dass viele begehrte Speisefische – wie Rotbarsch und Kabeljau – sich nur selten hierher verirren. Das flache Wasser sorgt indes dafür, dass die Wassertemperatur starken saisonalen Schwankungen unterliegt. So sind auch die Wanderbewegungen einiger Fischarten – wie Hering und Makrele – zu erklären.
Bereits im 14. Jahrhundert entstand aus der Flußfischerei die Hochseefischerei – insbes. Der Hering spielte dabei als Handelsobjekt eine überragende Rolle. Er wurde bereits auf See verarbeitet – gesalzen und in Fässer eingebracht – so entstand ein hochwertiges und haltbares Produkt, dass die Geschäftsgrundlage der legendären Hanse bildete.
Mit der einsetzenden Dampfschifffahrt Ende des 19. Jahrhunderts wurde dieses Prinzip zur Perfektion getrieben – bis die zuvor unendlich erscheinenden Ressourcen des Meeres schließlich deutliche Zeichen der Überfischung zeigten.
Von der Küstenfischerei sind nunmehr lediglich die Krabbenkutter geblieben – die anderen Fischer mussten den schwimmenden Fischfabriken weichen.

Geblieben ist die Liebe der Norddeutschen zu ihrem Fisch.

Krabbenbrötchen von der Fischbuzze in Wittdün
Krabbenbrötchen von der Fischbuzze in Wittdün
Inselheld

Inselheld

Inselfan und Autor des Insel-Leben.de Projektes. Jede freie Minute wird der schönsten Nebensache der Welt gewidmet - der Erkundung der schönsten Inseln und dem Schreiben darüber.

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    Krischan

    Ich kann Gus nur zustimmen. Fischfrikadelle hat mit Fisch wenig zu tun. Matjes wäre da besser gewesen. Ich kenne alle Lokale, habe über 2 Jahre auf Amrum gearbeitet und viele Fischbrötchen gegessen. Fisch und Meer liegt bei mir auf Platz 1, man würde immer gefragt, was man drauf haben möchte. Ich habe immer Butter genommen! Und weil viel los war, hat es gedauert aber gelohnt. Umso bedauerlicher, dass ich gerade lese, dass der Imbissbereich geschlossen wird, mangels Personal. Dies ist ein Problem für alle Gastronomen auf Amrum. Dicht gefolgt von der Fischbuzze mit super freundlicher Bedienung und sehr frischer Wäre, hier meine ich Fisch nicht Frischfrikadellen!

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    Gus Peters

    Moin!
    Mein Kommentar wird euch sicherlich nicht gefallen.
    Ist doch normal, Butter auf Brötchen zu schmieren,
    noch höflicher, wenn einem dabei gefragt wird.
    Wie kann man Amrum und Hallig Hooge in einem Artikel nennen, wo‘s eigentlich nur um Amrum geht?
    Überhaupt, Fischfrikadelle als Referenz, hat mit Fisch wenig zu tun. Euer Schreibling muss noch viel lernen,
    vor allem objektiv zu bleiben!

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